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Bunt wie ein Regenbogen -
Ökumenische Pilgerreise nach Irland

Die Münchner unternahmen vom 6. bis 12. Juni eine ökumenische Pilgerreise nach Irland. Es war einfach großartig. Schon beim Anflug nach Dublin leuchtete uns das frische Grün der Insel entgegen.



Gleich am ersten Tag erwartete uns eine Stadtführung in internationaler Gebärdensprache. Damit auch alle gut verstehen konnten, übersetzte Kilian Knörzer in DGS und die beiden Dolmetscherinnen in Lautsprache. Zum besinnlichen Anfang feierten wir in einer kleinen Kirche in der Nähe der großen Christchurch einen Gottesdienst. Vor der Abfahrt am Morgen gab es einen irischen Segensspruch und wir gebärdeten gemeinsam das Regenbogenlied.

Am nächsten Morgen brachte uns der Bus wieder in die Stadt. Wir konnten das berühmte „Book of Kells“ aus dem 8. Jahrhundert bestaunen und auch die riesengroße St. Patricks-Kathedrale. Um die Mittagszeit bummelten wir auf eigene Faust in der Innenstadt. Dann war es Zeit, die Stadt hinter uns zu lassen und ins Landesinnere zu fahren. Genau in der Mitte Irlands in Clonmacnoise gründete der Hl. Ciran ein Kloster. Die beindruckenden Ruinen konnten wir nur bei strömenden Regen erkunden. Dafür konnte man im kleinen Museum die originalen Grabinschriften aus dem 4. Jahrhundert und die Hochkreuze aus dem 8. bis 12. Jahrhundert bestaunen.

Je weiter wir in den Westen fuhren, desto einsamer wurden die Landschaften. Im Hafenstädtchen Westport wurden wir freundlich in der anglikanischen Trinity-Church zum Gottesdienst empfangen. Drei von uns schafften es, den Berg des Heiligen Patrick ganz zu erklimmen. Eine schwierige Tour, weil der Weg über steiniges unbefestigtes Gelände führt und der Berg meist in Wolken verhüllt ist. Am Gipfel war freie Sicht, und stolz kehrten die drei zurück.

An der Westküste durften natürlich auch die berühmten „Cliffs of Mohair“ nicht fehlen. Unterwegs zeigte uns der Busfahrer noch das irische Hochzeitsdorf Lisdoonvarna.
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Nach Natur kam wieder Kultur. Ein Freilichtmuseum in Bunrattycastle führte uns in die Vergangenheit der einfachen Leute im irischen Westen. Unglaublich, in welch einfachen Verhältnissen die Menschen damals leben mussten.

Auf dem Weg zurück nach Dublin besichtigten wir die eindrucksvolle Burg- und Kirchenruine von Cashel. Dort leben vom 3. bis 12. Jahrhundert die Könige von Munster. Ein Kraftort, an dem auch der Sitz von Feen sein soll. Wir bekamen jedenfalls die Kraft des stürmischen Windes zu spüren. Dieser „wehte“ uns nach Kildare zur Hl. Bridgid. Auffällig bei den frühen irischen Mönchen und Nonnen ist die Liebe zur Schöpfung und vor allem zu den Tieren. Der Hl. Kevin z. B. gilt als Schutzpatron der Amseln. Die Legende sagt, dass er eines Tages mit ausgebreiteten Armen gebetet hatte. Eine Amsel legte ihr Ei in seine Hand. Kevin blieb solange in diese Gebetshaltung bis das Ei ausgebrütet war. Sein Kloster ist einsam in den Wicklowbergen gewesen. Dennoch war es im 6. Jahrhundert ein Ort, wo 3.000 Mönche und Nonnen lebten und aus aller Welt Gäste kamen, um zu lernen.
Am selben Abend wurden wir im Deaf Village Dublin empfangen. Im DVI sind alle Beratungsstellen für Gehörlose, das Gehörlosenzentrum, auch eine Kapelle und ein Fitnessstudio mit Schwimmbad.

Die Gehörlosenseelsorge im Bistum Dublin hatte das Treffen möglich gemacht. Zuerst feierten wir Gottesdienst in der Emmauskapelle. Aus unserer Pilgergruppe hatten sich einige zum Gebärdenchor zusammengefunden und zeigten zwei Lieder. Eine besondere Überraschung hatten die Iren für uns. Mit einem Gebärdenchor in liturgischer Kleidung gebärdeten sie ein irisches Segenslied. Viele waren zu Tränen gerührt. Beim anschließenden Treffen in der Cafeteria gebärdeten die Frauen noch ein paar lustige Lieder. Wir erfuhren von der Geschichte des Gehörlosenzentrums in Dublin. Wir stellten fest, dass hier auch Schwerhörige gut gebärden können. Es war der Seelsorge schon immer wichtig, dass die Gebärdensprache als Muttersprache Vorrang hatte. Ein gelungener letzter Abend, an dem wir  noch im Hotel-Pub weiterfeierten.

Der letzte Vormittag führte uns zurück in die Vorgeschichte. In die Zeit 3.000 vor Christus. Wir hatten das Glück, die große Grabanlage von Bru na Boine von innen zu besichtigten. Dort scheint jedes Jahr zur Wintersonnwende für 17 Minuten das Licht in die Mitte der Grabkammer. Eine Simulation vermittelte uns das Gefühl wie das ist. Gänsehaut!

Zusammengefasst:

Wetter:
typisch irisch – Sonne, Wind, Schauer, Regenbogen.

Menschen:
sehr freundlich.

Essen:
es gibt eine Vorliebe für Kartoffelbrei.

Gruppe:
super – viel Rücksichtnahme aufeinander und Spaß miteinander.

Land:
grün, grün, grün.

Geschichte:
trotz vieler „Troubles“, (Sorgen, Nöte, auch Zerstörung und Bürgerkrieg) die Hoffnung nie aufgegeben. Irland ist ein Land, wo Himmel und Erde sich berühren.

Angelika Sterr
Fotos: Wieslaw Oliwa und Anne Göppert