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Farbe bekennen – zur Bundestagswahl 2017


Das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken (ZDK) hat einen Berliner Aufruf erstellt mit dem Titel „Farbe bekennen für die Demokratie“. Darin wird auch zur Wahl aufgerufen.

Ich lese: „Für viele Menschen in Deutschland wird die Welt immer unübersichtlicher. Gefühle der Unsicherheit und der Bedrohung nehmen zu. Dafür gibt es Gründe. Deutschland hat sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt.

Heute leben in unserem Land Menschen aus mehr als 180 Nationen. Immer mehr Kinder haben einen Migrationshintergrund (= kommen aus anderen Ländern)“.

Viele Flüchtlinge sind nach Europa und besonders nach Deutschland gekommen.
Sie suchen Schutz und eine sichere Zukunft. Das hat aber viele Menschen hier verunsichert.

Zusätzlich hat der islamistische Terror vielen Menschen Angst gemacht.
Das nutzen populistische Kräfte. „Sie schüren Ängste und gehen mit einfachen Antworten und Botschaften auf

Stimmenfang. Sie wollen unsere offene, liberale Demokratie grundlegend verändern“.
Das Zentralkomitee schreibt, „dass es solche populistischen Positionen auch in unseren Kirchengemeinden“ und bei Christen gibt.

„Gegen Angstmacher und Vereinfacher bekennen wir Farbe: für eine offene Gesellschaft und für eine liberale Demokratie. Denn nur eine Demokratie garantiert die Würde und die Freiheit der Einzelnen, vor allem die Religions- und Meinungsfreiheit – kostbare Güter, für die weltweit Menschen verhaftet, gefoltert und ermordet werden“.


Wir sagen Nein:  
– Wenn Menschen verächtlich gemacht werden.
– Wenn Menschen verleumdet werden.
– Wenn Falschmeldungen („fake news“) verbreitet werden.
– Wenn terroristische Anschläge verherrlicht werden.

Wir sagen Ja:
– Zu Freiheit, Würde und Gleichheit aller Menschen.
– Zu friedlichem und solidarischem Zusammenleben aller.
– Zu Gleichstellung der Geschlechter und gleicher Bezahlung der Arbeit zwischen Männern und Frauen.
– Zur Bewahrung der Schöpfung und besonderem Klimaschutz.
– Zu fairer Zusammenarbeit und gerechtem weltweiten Handel und Wirtschaften.

Als katholische Christinnen und Christen rufen wir daher auf:
– Sprechen wir offen und ehrlich über die Sorgen der Menschen mit Respekt und Achtung voreinander.
– Setzen wir uns ein gegen Vorurteile, Ausgrenzung, Hass und Hetze.
– Streiten wir in und mit den Parteien um unsere demokratische Kultur in unserem Land.
– Gehen wir zu Wahlen – für unser Land, für demokratische Programme und gegen populistische Zerstörung unserer Demokratie.

Pastor Wolfgang Schmitz
VKGD-Geschäftsführer


Bischöfe gegen „Ehe für alle“

Am 30. Juni hat der Bundestag beschlossen, dass gleichgeschlechtliche Partnerschaften auch als Ehe gelten sollen. Bisher waren nur Verpartnerungen möglich. Dazu hat der Berliner Erzbischof Dr. Heiner Koch im Namen der deutschen Bischöfe erklärt:

„Ich bedauere, dass der Gesetzgeber wesentliche Inhalte des Ehebegriffs aufgegeben hat, um ihn für gleichgeschlechtliche Partnerschaften passend zu machen.

Gleichzeitig bedauere ich, dass mit dem heutigen Beschluss eine differenzierte Wahrnehmung unterschiedlicher Partnerschaftsformen aufgegeben wird, um die Wertschätzung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften hervorzuheben. Differenzierung aber ist keine Diskriminierung.

Eine Wertschätzung gleichgeschlechtlichen Zusammenlebens kann auch durch eine andere institutionelle Ausgestaltung ausgedrückt werden. Sie muss nicht in der Öffnung des Rechtsinstituts der Ehe für gleichgeschlechtliche Partnerschaften in Erscheinung treten.
Die Väter des Grundgesetzes gaben der Ehe einen so herausragenden Platz in unserer Verfassung, weil sie diejenigen schützen und stärken wollten, die als Mutter und Vater ihren Kindern das Leben schenken wollen.

Wird jetzt vor allem der Schutz von Beziehungen und die Übernahme gemeinsamer Verantwortung als Begründung für die Öffnung der Ehe vorgebracht, so bedeutet dies eine wesentliche inhaltliche Umgewichtung und eine Verwässerung des klassischen Ehebegriffs.

Eine Diskussion um die Stärkung und Förderung der vielfältigen Verantwortungs-gemeinschaften in unserer Gesellschaft ist nötig und muss eigens geführt werden. Wenn der Staat aber anerkannte verbindliche Gemeinschaften wirklich stärken will, muss er etwa in der Ehe- und Familienpolitik deutliche Akzente setzen, um die Stabilität und Eigenverantwortung der Ehen zu unterstützen statt die Gestaltungsräume der Eheleute zu beschneiden…

Als katholische Kirche werden wir uns nun verstärkt der Herausforderung stellen, die Lebenskraft des katholischen Eheverständnisses, wie es auch Papst Franziskus immer wieder klar benennt, überzeugend zu verdeutlichen und in der Öffentlichkeit einladend zu vertreten.

Gleichzeitig erinnere ich daran, dass der sakramentale Charakter unseres Eheverständnisses von der heutigen Entscheidung im Deutschen Bundestag unberührt bleibt.“

Koch sagte weiter, „dass es ein Missverständnis wäre, die hervorgehobene Rechtsstellung der Ehe und ihren bleibenden besonderen Schutz als Diskriminierung homosexuell veranlagter Männer und Frauen zu verstehen.

Als Kirche haben wir Respekt für jene gleichgeschlechtlichen Partnerschaften, in denen über viele Jahre hinweg gegenseitige Verantwortung und Fürsorge übernommen wird.“

Erzbischof Dr. Heiner Koch




Kommentar

Was ist Ehe?

Am 30. Juni beschloss der Deutsche Bundestag die sogenannte „Ehe für alle“. Große Teile der CDU stimmten dagegen, auch Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel. Am Abend desselben Tages erklärte sie im Fernsehen, dass sie dafür sei, dass auch gleichgeschlechtliche Paare gemeinsam Kinder adoptieren könnten.

Moment mal, fragten sich da viele. Das war doch so ziemlich das letzte Recht, dass homosexuellen Verpartnerten noch verweigert wurde. Wenn sie sowieso dafür war, warum stimmte sie dann gegen den Beschluss?

Angela Merkel beruft sich dabei auf ein Verständnis von Ehe, wie es auch wir Christen tun. Die Väter des Grundgesetzes schrieben in die Grundrechte hinein: „Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.“ (GG, Art. 6 (1)).

Damals konnte man sich keine andere Form von Ehe vorstellen als die zwischen einem Mann und einer Frau. Und Kinder sollten idealerweise in ihrem Schutz aufwachsen.

Inzwischen sind gleichgeschlechtliche Partnerschaften auch vor dem Gesetz längst akzeptiert. Aber bis jetzt konnte man sich nur „verpartnern“, jedoch keine Ehe schließen. Das hat, wie auch Erzbischof Koch in seiner Erklärung betont, nichts mit Diskriminierung zu tun. Es sollte nur deutlich werden, dass es hier etwas Ähnliches, aber doch Ungleiches ist.

Christliches Verständnis

Um das deutlich zu machen, möchte ich kurz das christliche Verständnis von Ehe erklären. Die Ehe ist eine lebenslange Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau.

Weil sie vor Gott geschlossen wird, ist sie auch Sakrament. Damit eine Ehe gültig sein kann, muss sie offen sein für Nachkommen. Die Kirche sieht nur in der Ehe den Ort für Sexualität. Dies auch, weil die Kinder, die daraus entstehen (können), in einer Familie aufwachsen sollen.
Das Grundgesetz sieht im Artikel 6 Ehe und Familie ebenfalls in einem engen Zusammenhang und schützt sie deshalb besonders.

Dies ist der Punkt, wo sich die klassische Ehe und die gleichgeschlechtliche Partnerschaft unterscheiden. Nur Mann und Frau können gemeinsam Kinder zeugen und gebären.
In gleichgeschlechtlichen Beziehungen geht das innerhalb der Partnerschaft zumindest nicht.
Ein wichtiger Bestandteil für eine Ehe ist nicht möglich. Es gibt also trotz aller möglichen Ähnlichkeiten Unterschiede. Darum sind unterschiedliche Bezeichnungen sinnvoll.
Der Ehebegriff wird mit dem neuen Beschluss verwässert.

Holger Meyer