Startseite   |   Verlag   |   Aktuelles 1   |   Aktuelles 2   |   Aktuelles 3   |   Aktuelles 4   |   Bestellschein   |   Impressum

  

  Home


  Verlag/Redaktion


  Aktuelles 1


  Aktuelles 2


  Aktuelles 3


  Aktuelles 4


  Bestellschein


  Impressum

 

  

 

 

Europäischer Protesttag fordert Barrierefreiheit


Der Europäische Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am 5. Mai in Karlsruhe hat viele Vereine und Menschen mit Gehörlosigkeit zusammen gebracht.


Gemeinsam haben an der Demonstration in Karlsruhe teilgenommen: Der Gehörlosenverein Karlsruhe 1900 e.V., der Gehörlosensportverein Karlsruhe 1948 e.V., der Stadt- und Kreisverband der Hörgeschädigten Karlsruhe e.V., der Landesverband der Gehörlosen Baden-Württemberg e.V. und der Deutsche Gehörlosen-Bund e.V. Unter dem Motto „Hart gegen Barrieren“ forderten die Veranstalter die gleichberechtige gesellschaftliche Teilhabe hörbehinderter Menschen. Dazu gehört die kommunikative Barrierefreiheit für Menschen mit Hörbehinderung in allen Lebensbereichen.

Eine weitere Forderung war die gesetzliche Verankerung des Rechts von hörbehinderten Eltern mit hörenden Kindern, für Elterngespräche, Elternabende und Veranstaltungen in der Schule und im vorschulischen Bereich eine/n Gebärdensprachdolmetscher/in finanziert zu bekommen.


Dolmetscher auch fürs Ehrenamt


Auch die Übernahme von Dolmetscherkosten im Ehrenamt und im privaten Bereich wurde gefordert: Ohne Gebärdensprachdolmetscher ist es für hörbehinderte Menschen
nicht möglich, Volkshochschulkurse zu besuchen, kulturelle Angebote wahrzunehmen oder sich bei Banken, Rechtsanwälten etc. beraten zu lassen.

Zudem ist die Kostenübernahme für Dolmetscher bei Behandlungen im Krankenhaus nicht klar geregelt. Eine Wahrnehmung von (politischen) Ehrenämtern ist für Menschen mit Hörbehinderung kaum möglich.

Barrierefreiheit konkret umsetzen

Aktuell können hörbehinderte Menschen nur per Fax einen Notruf absetzen. Ein Faxgerät ist jedoch nicht immer verfügbar. Deshalb fordern die Vereine und Verbände – vor allem der DGB – eine Notruf-App mit einer bundesweit einheitlichen Nummer.
Auch der Deutsche Behindertenrat fordert, das Menschenrecht auf Barrierefreiheit umzusetzen.

Das neugefasste Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) regelt die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am Leben in der Gesellschaft. Dazu fehlen aber noch klare gesetzliche Ausführungen und Regelungen.

All diesen Wünschen und Forderungen schließt sich der VKGD selbstverständlich an.

Für den Verband:
Wolfgang Schmitz, Geschäftsführer VKGD

Was denken türkischstämmige
Mitbürger in Deutschland?


Beim Verfassungsreferendum in der Türkei am 16. April 2017 haben Wähler darüber abgestimmt, dass die Verfassung in vielen Punkten geändert werden soll.

Auch in Deutschland konnten rund 1,4 Millionen Türken an der Wahl teilnehmen. Knapp die Hälfte von ihnen hat sich an der Abstimmung über die Einführung eines Präsidialsystems in der Türkei beteiligt.

Im Gesamtergebnis aus Deutschland überwiegen mit 63,1 Prozent klar die „Ja“-Stimmen.
Doch ein Blick auf die Ergeb­nisse zeigt auch, dass es regionale Unterschiede gibt.

Nachfolgend die Abstimmungsergebnisse („Ja“-Stimmen) der Städte: Berlin: 50,3 %; Hamburg: 57,1 %; Münster: 64,0 %; Essen: 75,9 %; Düsseldorf: 69,6 %; Mainz: 64,5 %; Karlsruhe: 61,8 %; Stuttgart: 66,3 %; Nürnberg: 55,4 %; München: 62,7 %.

In der Türkei hat eine knappe Mehrheit von 51,4 Prozent für die Einführung eines Präsidialsystems gestimmt.

Das türkische Verfassungsreferendum war und ist hoch umstritten. Durch die geplanten Verfassungsänderungen erhält Staatspräsident Erdogan deutlich mehr Macht.
Viele Menschen in Deutschland fragen nach den Grün­den für die hohen Zustimmungswerte zum Referendum der in Deutschland lebenden Türken.

Dazu kann eine Studie Erklärungen geben. Der Religionssoziologe Detlef Pollack von der Universität Münster hat in einer Studie türkeistämmige Menschen in Deutschland erforscht. Dazu hat das Meinungsforschungs-Institut Emnid rund 1.200 Zuwanderer nach Deutschland aus der Türkei und ihre Nachkommen ab 16 Jahren befragt.

Viele Türkeistämmige sind in unserer Gesellschaft „angekommen“. Dabei sind Jüngere stärker integriert. Die Hälfte aller Befragten fühlt sich aber als Bürger zweiter Klasse.
Rund 10 % fühlen sich gar nicht wohl in Deutschland. Der Anteil der Westdeutschen ist etwa gleich hoch. In Ostdeutschland ist der Anteil aber mit 19 % deutlich höher.

Der Islam kann ein Hindernis für die Integration sein und zwar aus folgendem Grund: Muslime finden sich in der deutschen Gesellschaft oft nicht so hoch geachtet und anerkannt. Deswegen leben sie den Islam als besondere Religion.

Die Herkunftsprägung wird stark herausgestellt

Die eigene Herkunftsprägung wird dann gegenüber der Gesellschaft sehr stark herausgestellt. Interessant ist dabei, dass Jüngere nicht so häufig in die Moschee gehen und nicht so häufig beten. Zugleich verstehen sie sich aber sehr wohl als Muslime, und zwar in einem höheren Anteil als die Angehörigen der ersten Generation, die nach Deutschland eingewandert sind. Man ist im Islam groß geworden und liebt ihn. Es ist auch Solidarität gegenüber den Eltern. Aber es ist eben auch ein Unterscheidungsmerkmal: Man kann sich von der Mehrheitsgesellschaft (der Christen) absetzen und seine Andersartigkeit hervorheben.
Man will seine Religion zeigen, auch wenn man nicht so engagiert ist.

Dabei ist interessant, dass deutlich mehr Männer Moscheen besuchen als Frauen – ganz anders im Christentum. Persönlich beten die Frauen aber fast doppelt so viel wie die Männer, zeigt die Umfrage.

Eine Mehrheit der Deutschen verbindet mit dem Islam negative Eigenschaften wie Fanatismus, Gewalttätigkeit und Benachteiligung der Frauen. Dies wird durch Bilder z.B. des IS-Terrors in Syrien, aber auch durch Bilder aus Saudi-Arabien gestärkt, wo Frauen kein Auto fahren dürfen, den Schleier tragen oder Menschen mit Peitschenhieben bestraft werden. Türkeistämmige verbinden mit dem Islam aber Eigenschaften wie Friedfertigkeit, Toleranz, Solidarität und Achtung der Menschenrechte. Hier zeigen sich deutliche Unterschiede. Viele meinen, der Islam wird in Deutschland falsch beurteilt.

Die Umfrage zeigt aber ein für die Zukunft bedeutsames Bild: Viele Jüngere und als Kinder nach Deutschland Zugewanderte sind inzwischen besser integriert als die Angehörigen der ersten Generation. Die Jüngeren legen aber weniger Wert auf eine Anpassung an die deutsche Kultur. Sie wollen selbstbewusst die eigene Kultur zeigen und leben.

„Die Befolgung der Gebote meiner Religion ist mir wichtiger als die Gesetze meines Staates, in dem ich lebe“. Dieser Frage stimmen 57 % der 1. Generation zu und noch 36 % der 2. und 3. Generation. Erschreckend das Bild mit 50 % Zustimmung bei der Frage: „Es gibt nur eine wahre Religion – den Islam“.

Mehr Verständnis für die Probleme der Zugewanderten, bessere Kontakte zu Deutschen, gute Sprachkenntnisse und gute Arbeitsplätze verhindern ein Abwandern der Türkeistämmigen in die Isolation oder den Fundamentalismus.

Bewegt man sich nur in seinem eigenen – oft abgetrennten – Milieu, besteht die Gefahr des Fundamentalismus auf beiden Seiten.

Dagegen zu arbeiten, ist unsere wichtigste Aufgabe.

Aufeinander zugehen, Begegnungen schaffen, sich gegenseitig Kennenlernen, Verständnis füreinander entwickeln, Achtung und Toleranz aufbringen – dazu sind wir eingeladen und das sind Schritte zu besserer Integration und einem guten Zusammenleben in einer vielschichtigen und multikulturellen deutschen Gesellschaft.

Norbert Schulze Raestrup