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Mediennutzung der Menschen mit Behinderungen

Auf der letzten Schulungstagung in Heiligenstadt wurde eine Untersuchung zur Mediennutzung (Zeitung, Fernsehen, Internet) vorgestellt. Die Untersuchung wurde von der Technischen Universität Dortmund durchgeführt und von der
„Aktion Mensch“ unterstützt.

Dabei wurden vier Gruppen von Menschen mit Behinderungen näher befragt:
Gruppe „Sehen“: Menschen mit Blindheit und Sehbehinderung
Gruppe „Hören“: Menschen mit Schwerhörigkeit, Gehörlosigkeit und Ertaubung
– Gruppe „Bewegen“: Menschen mit Körperbehinderung
Gruppe „Lernen“: Gemeint waren Menschen mit Lern- und Geistiger Behinderung


Als Verband interessierte uns besonders die Gruppe „Hören“. Dazu hier einige Informationen. An der Untersuchung haben in der Gruppe „Hören“ teilgenommen.

 

Dabei wurde in Gesprächen und in den Gruppendiskussionen mit Lautsprache bei Schwerhörigen, in Gebärdensprache mit Gehörlosen und durch Lormen mit Taubblinden kommuniziert. Zusätzlich wurden Experten befragt, unter anderem Prof. Dr. Ulrich Hase.

Folgende Ergebnisse wurden festgestellt:

1. Internet und Fernsehen werden von Gehörlosen (95 % Internet, 78 % Fernsehen), Ertaubten (93?% und 96?%) und Schwerhörigen (58 % und 98 %) am meisten genutzt.
Dagegen nutzen Blinde natürlich das Radio (80 %) am meisten.
2. Tageszeitungen (90 %) werden besonders stark von älteren Gehörlosen genutzt.
3. Das Internet (95 %) wird besonders von jüngeren Gehörlosen und Ertaubten genutzt.
4. Fernsehen (96 %) und Tageszeitung (90 %) werden von Schwerhörigen besonders genutzt.

 

Wichtige Motive zur Nutzung von Fernsehen sind:

 

– Information, Entspannung und Spaß.
– Denkanstöße, neue Dinge.
– Ablenkung.
– Wunsch nach Teilhabe an öffentlicher Kommunikation.
– Das Bedürfnis nach gemeinschaftlicher Teilhabe mit Menschen ohne Beeinträchtigungen.

 

Probleme beim Fernsehen

 

Schwerhörige haben weniger Probleme beim Fernsehen, benutzen aber vielfach Hörverstärker. Gehörlose und Ertaubte haben manchmal bzw. oft und sehr oft Probleme beim Verstehen. Sie gebrauchen Untertitel und DGS. Dies zeigt auch die Studie im Besonderen, wenn 51 % der Gesamtgruppe „Hören“ Untertitel und 39 % Gebärdensprache einfordern, im Gegensatz zu anderen Behinderungen, die nur mit 20 % Untertitel wünschen.
Bei der Untergruppe „Gehörlos“ werden Untertitel (78 %) und Gebärdensprache (65 %) eingefordert
Das zeigt, wie wichtig Untertitel und DGS für Menschen mit Gehörlosigkeit sind.
Das Fernsehen ist der Ort, wo eine gleichberechtigte Teilhabe gewünscht wird. Barrierefreie Zugänge und Angebote werden gefordert. Mehr DGS und bessere sprachliche Kommunikation werden gewünscht und gefordert.
Das Internet hat die Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten enorm erweitert, „eine echte Revolution für Menschen mit Hörbehinderungen“, wie eine Expertin bei der Befragung sagte. Suchmaschinen, aktuelle Nachrichten, Online-Communities und Ein- oder Verkaufen sind die Aktivitäten im Internet, die von den meisten Befragten angegeben werden – vor allem von den Jüngeren. Soweit Auszüge aus der Untersuchung.

 

Diskussion und Arbeitsgruppen

 

Nach einem Vortrag bei der Tagung schloss sich zunächst eine offene Diskussion an. Vom Referenten wurden viele Fragen beantwortet. Die Gruppenarbeit bei der Schulungstagung bestätigte viele Ergebnisse der Untersuchung.

– Mediennutzung

In der Arbeitsgruppe 5 (Mediennutzung) haben von 12 Personen 10 Personen eine Tageszeitung, die sie jeden Tag (ca. 1 Stunde vor oder nach der Arbeit) lesen. 11 Personen nutzen das Internet (auch im Smartphone) von 30 Minuten bis zu 3 Stunden.
Im Fernsehen bewegen sich alle bis zu 3 oder 4 Stunden. Wichtig sind Nachrichten, Geschichte, Dokumentarfilme, Magazine, Kultur – einigen ist Sport weniger wichtig.
Einer schreibt: „Bei schwierigen Worten schreibe ich das Wort und schaue im Internet bei wikipedia nach und lese Geschichte und Hintergründe“.

 

– Was fehlt?

 

In der Arbeitsgruppe 4 (Was fehlt im Fernsehen/Internet?) haben 14 Personen vor allem die fehlenden Untertitel im Fernsehen und die schwierige Sprache bei den Untertiteln genannt. Gewünscht werden besonders Untertitel in leichter Sprache und langsamer Folge.
Auch im Internet wird eine leichtere Sprache gewünscht.
ARD (vor allem Bayern und MDR) und ZDF werden gelobt, bei den Privatsendern fehlen durchweg Untertitel.
Untertitel werden oft erst zeitverzögert eingesetzt (einige Tage später in der Mediathek im Internet).
Die Sendung „Sehen statt Hören“ kommt in Bayern „zur guten Zeit, in NRW zu früh morgens“ – als Vorschlag „besser am späten Nachmittag“. Es fehlen vielfach Dolmetscher Einblendungen.


– Barrierefrei

 

In der Arbeitsgruppe 3 (Barrierefreiheit – Wünsche und Forderungen) werden besonders „Tagesschau“ und „Heute“ gelobt, allerdings werden Untertitel in langsamer Folge („oft zu schnell“) gewünscht. Untertitel könnten auch in unterschiedlicher Farbe gesendet werden beim Sprechen verschiedener Personen.

 

Sendungen bei SAT in der Schweiz werden besonders wegen der guten Untertitel gelobt. Eine Stimme: „Untertitel sind unnötig, wenn Gebärden-Dolmetscher eingeblendet werden – dann aber nicht oben, sondern unten rechts“. Besonders beim Sport und bei Gottesdiensten werden Untertitel „möglichst direkt und nicht zeitversetzt“ gewünscht.

 

– Wünsche für DGS

 

In der Arbeitsgruppe 2 (meine Wünsche für DGS) war auf den Arbeitspapieren auch das Alter vermerkt. Die über 60-Jährigen wünschten verstärkt LBG (und nicht DGS). Dies ist aufgrund der Erziehung und Bildung verständlich, wobei eine Offenheit für DGS besteht, dann aber „bitte langsam gebärden, damit ich verstehe“.

 

Es scheinen bei den Antworten auch noch Missverständnisse gegenüber DGS zu herrschen, wenn „soll gut vollständig gebärdet werden“, „ganze Sätze“ oder „genaue Wörter“ gefordert werden. Wenn zwei Dolmetscher auftreten, werden die „manchmal nicht verstanden wegen nicht gleicher DGS“. Gewünscht und gefordert wird eine einheitliche Gebärdensprache „von Hamburg bis Bayern“.

 

– Wo und wann ist DGS wichtig?

 

In der Arbeitsgruppe 1 (Wo und wann ist DGS besonders wichtig?) wurde gefordert, dass DGS wichtig und notwendig ist bei:

– Nachrichten im Fernsehen („unbedingt in DGS“).
– Behörden – auf dem Amt.
– Veranstaltungen für Gehörlose allgemein (Schulungstagungen, Sitzungen).
– Sportveranstaltungen.
– Gottesdiensten.
– Besuchen beim Arzt und im Krankenhaus.
– In der Schule – beim Elternabend.
– Am Arbeitsplatz (bei Betriebsversammlungen).
– Beratungsstellen für GL und Integrationsfachdiensten.
– Selbsthilfegruppen „Schwerhörige und Ertaubte“ – „Leiter mit DGS“.
– Film und Theater.

 

Besondere Bedürfnisse

 

Es zeigt sich, dass auch in naher Zukunft bei vielen Anlässen und Veranstaltungen für Menschen mit Gehörlosigkeit besondere und spezielle Bedarfe vorhanden sind. Wünsche und Forderungen der Menschen mit Gehörlosigkeit sollten berücksichtigt und erfüllt werden.
Untertitel und DGS sind für viele hörbeeinträchtigte Mediennutzende unabdingbar, weil sie sonst ausgeschlossen sind. Untertitel und DGS sind für die Gruppe „Hören“ die zentrale Hilfe, um den Sendungen folgen zu können.

Der VKGD nimmt die Wünsche und Forderungen seiner Mitglieder
ernst und wird sich verstärkt dafür einsetzen. Untertitel sind die wichtigste Grundversorgung, von der alle Menschen mit Hörbeeinträchtigten profitieren – sie sollten zu 100 Prozent angeboten werden.
Was kann im Jahr 2018 umgesetzt werden?!


Norbert Schulze Raestrup



Hauptgewinner (v.l.) 2. Preis: Rudolf Kanders, 1. Preis: Helga Lohmann
und 3. Preis: Kerstin Plenker.
Im Hintergrund: Vorsitzende Gabriele Kronenberg.

Viele Geschenke in Krefeld
Am 9. Dezember veranstaltete
der Gehörlosenverein
„Samt und Seide“
Krefeld eine Weihnachtsfeier.

Nach Kaffee und Kuchen lagen auf dem Gabentisch verschiedene Dekosachen und Schokolade für die Verlosung. Der Nikolaus beschenkte die Mitglieder und auch die Gäste, die uns durch ihre Mitarbeit sehr geholfen hatten.

Nach der Verlosung folgte das Abendessen.
Bei bester Stimmung und guter Unterhaltung verging die Zeit viel zu schnell.

Bianca Loseken